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Zur Geschichte des Waldsees

(Quelle: -aw- m.a.u.s. prodaktschen, Fornsbach 2002)

 

Pioniergeist ließ Fornsbacher Bürger initiativ  werden – „Seegesellschaft“ legte 1929 Grundstock zum heutigen Freizeitgebiet Waldsee

 

Aus der Chronik von Erwin Richardon

 

Pfingsten 1929, als die Seegesellschaft Fornsbach zur Einweihung ihrer  „Wirtschaft am Waldsee“ einlud und für Pfingstmontag einen „Festakt mit Musik und Gesängen und nachfolgender Tanzunterhaltung“ ankündigte, gilt für Fornsbach als die Geburtsstunde des Fremdenverkehrs. Trotz Widerstand der gemeindlichen Obrigkeit und Unverständnis zahlreicher Zeitgenossen ließen sich die „Waldsee-Pioniere“ nicht von ihren Ideen und ihrem Weg abbringen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was mag die Bürger des damals noch rein landwirtschaftlich orientierten Ortes wohl zu diesem Schritt bewogen haben?

Zum einen wurde erkannt, dass immer mehr Städter unser waldreiches Gebiet zur Erholung aufsuchten; zum anderen waren die Verdienstmöglichkeiten außerhalb der Land- und Forstwirtschaft dünn gesät, da die in den umliegenden Städten vorhandene Industrie nur wenig Arbeitsplätze bot.
Nachdenklich wurden die Fornsbacher auch angesichts der zahlreichen Ausflügler, die an schönen Sonntagen zwar den von Stuttgart ankommenden Zügen entstiegen, jedoch den Ort links liegen ließen und in Richtung Ebnisee marschierten. Lediglich vor der abendlichen Heimfahrt profitierte das in der Nähe des Bahnhofs gelegene

Gasthaus „Rose“ von den Fremden, Die sich noch mit einem Glas „Moscht“ oder Bier stärkten und den Einheimischen von der Schönheit des Ebnisees vorschwärmten.

 

„Der Pionier des Fremdenverkehrs in Fornsbach“ Johann Herrmann hatte bereits an Ostern 1925 eine Pension mit sechs Fremdenbetten eröffnet. Die Zahl der Pensionsgäste nahm von Jahr zu Jahr zu und überzeugte auch die letzten Zweifler, dass die Beherbergung von Feriengästen und Wochenendausflüglern den Gastwirten, Zimmervermietern und auch den Landwirten, die einen Teil ihrer Erzeugnisse direkt absetzen konnten, bare Münze bringt.

 

 

 


Gründung des Bürgervereins

Im Sommer des Jahres 1928 finden erste Gespräche statt mit dem Ziel, einen Bürgerverein zur Förderung des Fremdenverkehrs zu gründen. Johann Georg Braun, der Vater des späteren Seebesitzers Georg Braun, kann die beitrittswilligen Bürger davon überzeugen, dass die Anlage des Stausees inmitten des Waldes einen besonderen Anziehungspunkt für erholungssuchende Gäste abgeben würde. Für dieses Vorhaben bot sich ein sumpfiges Waldgelände 1 km außerhalb des Dorfes an, auf dem, wie die Chronik zu berichten weiß, bereits im 14. Jahrhundert ein später verlandetes Gewässer zum Holzflößen bestand.

Im September des gleichen Jahres gründen 32 Bürger der ca. 700 Einwohner zählenden Gemeinde den Bürgerverein zur Förderung des Fremdenverkehrs. Zum Vorsitzenden wird Möbelfabrikant Gustav Gunser, zum Kassier Hauptlehrer Gustav Allmendinger gewählt. Jedes Mitglied zeichnet einen bis zum 1.1.1934 unverzinslichen Anteilschein in Höhe von RM 50,--. Der Verein wird beim Amtsgericht Backnang in das Vereinsregister eingetragen. Eine ausgelegte Interessenliste hatte folgenden Wortlaut: „Der Bürgerverein hat die Absicht gemeinsam für die Hebung des Fremdenverkehrs zu werben. Um ein genaues Bild zu bekommen, wird die Einwohnerschaft, die Zimmer zur Verfügung hat und Gäste mit oder ohne Verpflegung aufnehmen will, gebeten, sich einzuzeichnen“ 9 Bürger tragen sich in die Liste ein und stellen Fremdenbetten zur Verfügung. Vor dem stellvertretenden Murrhardter Bezirksnotar Rathgeber erklären die Fornsbacher Bürger Gustav Gunser, Möbelfabrikant, Johann Georg Braun, Privatmann und Adolf Braun, Kaufmann, am 2. Januar 1929: „Vor kurzem ist unter unserer Mitwirkung der Bürgerverein Fornsbach gegründet und in das Vereinsregister eingetragen worden. Er hat namentlich den Zweck, das Wohl der Gemeinde Fornsbach in jeder Hinsicht zu fördern. Mit allseitiger Zustimmung hat die Gründungsversammlung beschlossen, im Gewand Seeteich auf Markung Fornsbach für Bade- und Kurzwecke einen Stausee zu bauen und das erforderliche Gelände käuflich zu erwerben.“

Zugleich verpflichten sich die Vorgenannten dem Bürgerverein gegenüber, alle erforderlichen Geldmittel für den Erwerb der Grundstücke, die Anlage des Sees und den Bau einer Gaststätte beim See zu beschaffen und einen etwaigen Abmangel aus dem Betrieb des Sees solange auf eigene Rechnung zu übernehmen, bis Überschüsse erwirtschaftet werden. In der am 6. Januar 1929 einberufenen Hauptversammlung des Bürgervereins wird festgesetzt, dass der Grunderwerb für den Stausee auf die Namen der Darlehensgeber Gustav Gunser, Johann Georg Braun und Adolf Braun erfolgt. Somit entsteht zwischen diesen und dem Verein kein Schuldverhältnis. Daraus resultiert nun die „Seegesellschaft“ als finanzieller Träger des Waldsees mit Gaststätte. Ein Vertrag vom 23. Januar 1929 weist als Gesellschafter aus: Johann Georg Braun, Privatmann; Gustav Gunser, Möbelfabrikant; Adolf Braun, Kaufmann; Johann Herrmann, Schreiner; Karl Hurlebaus, Landwirt und Adolf Möck, Schreinermeister.

Bau des Sees

Nach dem noch im Herbst des Jahres 1928 die erforderlichen Grundstücke, die überwiegend im Besitz des Landwirts Hurlebaus waren, erworben werden konnten, wird sofort mit den Ausgrabungsarbeiten und der Aufschüttung des Dammes begonnen.

Hierzu wurde Erdmaterial mit Loren herangeschafft, das beim Aushub der Zufahrtsstraße angefallen war. Reste des ehemaligen Dammes des Flößersees wurden dabei ebenfalls freigelegt.

Nach den Plänen des Murrhardter Architekten Schüle entsteht der ca. 9 Morgen große See mit der Gaststätte am östlichen Seeufer in der damaligen Rekordzeit von neun Monaten. Bei den Bauarbeiten hilft ein großer Teil der Bevölkerung mit und trägt somit wesentlich zum Gelingen des Werkes bei.

 

 

Einweihung an Pfingsten 1929

Erster Pächter des Waldsees wurde Johann Herrmann, der bereits im Ort eine Pension betrieb. Anlässlich der Eröffnung an Pfingsten (19./20. Mai) des Jahres 1929 bewirtete er seine Gäste, die aus nah und fern nach Fornsbach kamen, mit Metzelsuppe. Wegen des trockenen Frühjahres war der See noch nicht voll angestaut. Die als wichtigstes Requisit von der Bootsbaufirma Messmer in Friedrichshafen gelieferten „bodenseefesten“ Lärchenboote (1 Boot für 5 Personen kostete 240 RM) konnten daher erst etwas später in See stechen.

Am 21. Mai berichtete der Chronist aus Fornsbach in der Murrhardter Zeitung: Über Pfingsten fand hier, 12 Minuten ostwärts im romantischen Seeteichtal, die Einweihung der Waldseewirtschaft statt. Trotz Regens waren schon am Pfingstsonntag viele aus nah und fern herbeigeeilt, um das neue Unternehmen kennen zu lernen. Die hiesige schon wohl geübte Musikkapelle trug zur gemütlichen Stimmung in den großen, besetzten Räumlichkeiten viel bei. Am gestrigen zweiten Pfingstfeiertag war dann die offizielle Einweihung. Um 2 Uhr setzte sich die Musikkapelle in Marsch, gefolgt von Mitgliedern der verschiedenen Vereine. Unter den Klängen der Musik kam dann der Zug draußen an, von vielen erwartet. Eine Marschweise folgte der andern. Dazwischen stimmte der Gesangverein frohe Waldlieder an, die mit Empfindung zum Ausdruck kamen.

Die Einweihungsrede von Herrn Hauptlehrer Allmendinger machte auf das Werden und den Zweck des Unternehmens aufmerksam und unterstrich besonders, dass eine solche körperliche Ertüchtigung des Volkes dienende Sache wärmste Unterstützung verdient. „Man kann landauf landab weit gehen, bis man ein derart ideales, schön und günstig gelegenes Freibad findet wie gerade hier.“

In zweiter Linie ergab sich dann erst die Gaststätte, die zu körperlichem Gedeihen und Wohlbefinden beizutragen hat. In wenigen Wochen entstand dieselbe wie hingezaubert. Sie passt sich dem Gelände gut an und birgt schöne, große freundliche Räume mit breiten Fenstern, die der ozonreichen Waldluft Eingang verschaffen können. Dass auch dem Tanze gehuldigt werden kann, dafür ist beste Vorsorge getroffen und gleich am Pfingstmontag ausgiebig davon Gebrauch gemacht worden.

So möge dieses neue Unternehmen, das zwei weitblickende hiesige Bürger anregten, wachsen, blühen und gedeihen und vielen ein Segen werden für Körper und Geist; möge auch der See, der durch hindernde Momente noch nicht voll ist, bald mit großem Wasserspiegel den herrlichen Waldwinkel verschönern und den Heimatschutzgedanken in allen Herzen der Bürger aufflammen lassen, so dass er aus Fornsbach überhaupt nicht mehr wegzudenken ist.“

Reicher Beifall lohnte die Ausführungen des Redners

 

Die Obrigkeit war dagegen

Der Bürgerverein und die Seegesellschaft hatten sich gegen den Willen des da-maligen Schultheißen Raum konstituiert. Dieser war daher auf die Vorgänge am Waldsee nicht gut zu sprechen und unterstützte die Bürgerinitiative, die ja auch letzten Endes ein Mehr an Steuern in den Gemeindesäckel fließen ließ, in keiner Weise.

Der Vorstand des Bürgervereins beschwerte sich am 12. Juli 1929 schriftlich beim Oberamt Backnang, dass Schultheiß Raum mit willkürlicher Ansetzung von Vergnügungssteuer bei unentgeltlicher Vergnügungsmusik am See und in den nun verstärkt aufgesuchten örtlichen Gaststätte die Entwicklung des Fremdenverkehrs hemme. Er erwähnte in seinem Schreiben weiter, dass dagegen für ähnliche Veranstaltungen im „Lamm“ keine Steuern erhoben würden, da der Schultheiß dort öfters verkehre.

In den folgenden Jahren entwickelte sich am See ein munteres Treiben. Für 171 RM wurden bei der Verlagsanstalt Weber in Stuttgart 2000 Prospekte gedruckt, die zu Werbezwecken versandt wurden. Im Gegensatz zu heute, wo das Gros der Besucher mit Autos und Omnibussen anrückt, kamen die Besucher mit der Eisenbahn oder Fahrrädern in Fornsbach an. So wurden an einem schönen Sommersonntag 800 Fahrräder auf dem Seeparkplatz gezählt.

 

Auch im Ort fanden sich überwiegend zur Sommerzeit zahlreiche Feriengäste ein und genossen das beschauliche dörfliche Leben und die liebliche Umgebung

 

 



Georg Braun übernimmt den Waldsee

Infolge Uneinigkeit löste sich die Seegesellschaft bereits im Jahre 1930 wieder auf. Alleineigentümer waren nun die bisherigen Gesellschafter Adolf und Johann Georg Braun. Im Herbst des Jahres 1930 übernahm dann der aus Südamerika in die Heimat zurückgekehrte Georg Braun die Waldseeanlage zunächst als Pächter und ab 1936 als Eigentümer. Das Unternehmen befand sich damals in finanziellen Schwierigkeiten und drohte an Attraktivität zu verlieren. 

Mit Elan und neuen Ideen baute Georg Braun die Anlage, die nicht nur den Fremden zur Erholung, sondern auch den Einheimischen als Freibad diente, weiter aus.




Die Kriegsjahre unterbrachen die stete Aufwärtsbewegung. Mit Entschlossenheit und Tatkraft baute Georg Braun das Unternehmen wieder auf und legte durch die Anlage eines Kinderspielplatzes, einer Freiluftkegelbahn, Tischtennisanlage und einer der ersten Kleingolfanlagen des Landes (1952) den Grundstock zum heutigen Freizeitzentrum „Waldsee“.

 



Bereits Ende der 30er Jahre wurde eine Wiese beim See zumeist von Jugendlichen zum Zelten benützt. Mit der beginnenden Campingbewegung in den 50er Jahren ergaben sich neue Möglichkeiten. So entstanden ein Zeltplatz mit Gaststätte und Sanitärräumen



Waldsee wird Gemeindeeigentum

Im Jahre 1959 bot Georg Braun die Seeanlage nebst Parkplatz, Kinderspielplatz und Golfbahn der Gemeinde Fornsbach zum Kauf an. Um der Öffentlichkeit weiterhin den freien Zutritt zum See zu ermöglichen, übernahm dann die Gemeinde die Anlage am 15. September 1959. Der Betrieb wurde in bisherigem Umfang weitergeführt. Als wichtige Einrichtung wurde in Parkplatznähe eine jedermann zugängliche und für damalige Verhältnisse vorbildliche Toilettenanlage errichtet. Am 1. Oktober 1967 übernahm dann die Gemeinde zusätzlich den Campingplatz nebst Waldschenke und Waldseegaststätte. Die Pioniertat des einstigen Bürgervereins, der sich in Jahren der wirtschaftlichen Stagnation und Resignation mit dem Willen zur Selbsthilfe konstituierte hat die Entwicklung des Ortes entscheidend geprägt. Durch die Gäste wurde der Ort mit neuem Leben erfüllt. Verdienstmöglichkeiten waren für die Zimmer-Vermieter und Geschäftsleute, für die Landwirte und auch für die Hilfskräfte am Waldsee erschlossen worden.

Das von den Kriegsereignissen hart getroffene Fornsbach hat es dann letztlich auch mit Hilfe der Einnahmen aus dem Fremdenverkehr geschafft, zu einem vielbesuchten Erholungsort im Schwäbischen Wald heranzuwachsen

 

 

 

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